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Other Days…

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So nennt der Salzburger Künstler Bertram Hasenauer seine aktuelle Ausstellung in der Galerie Schloss Wiespach. 

Die Spuren der „anderen Tage“ verzeichnen sich nicht nur im Ausstellungsort, einem Schloss welches auf das Hochmittelalter zurückgeht. Auch in den, von der ersten Sekunde an, einen in den Bann ziehenden Malereien und Zeichnungen von Bertram Hasenauer. 

Diese Tage öffnet sich das Schloss Wiespach als Treffpunkt zwischen Kunst und Geschichte dem Kunstpublikum und den Künstler*innen als Austellungsort und Artist in Residence Option. 

Aber step backwards zu den Other Days. 

Malerei und Porträt sind beides Begriffe, die auf vergangene Zeiten und Epochen referenzieren. Die Hochblüte der Porträtkunst in der Malerei wird in der Epoche der Renaissance angesiedelt. Künstler perfektionierten, mit neuen gestalterischen und technischen Mitteln ihr Ansinnen, mit Kunst so nahe als möglich dem Ideal Natur entgegenzugehen. Schon damals wurde über das Ziel hinausgeschossen und Malerei konnte Natur und Realität übertreffen. 

Genauso wenig oder genausviel der Inhalt eines Gemäldes damals der Realität entsprochen hatte, genauso wenig oder genausoviel entspricht der Bildinhalt der Malerei von Bertram Hasenauer, unserer Realität oder unserer Zeit. Die Epoche der Renaissance stellt auch für den Künstler eine große Inspirationsquelle da. 

Ja, wir können das, was wir in seinen Bildern sehen mit der Realität verknüpfen. Wir erkennen eine Falte, eine Hand, ein Gesicht, einen Ausblick aus einem Fenster. Dazu müssen wir uns auch in keinster Weise anstrengen. Unser Auge übermittelt unsere Wahrnehmung auf üblichem Wege an unser Gehirn und für uns ist also klar: Das ist das Gesicht eines Mädchens oder das ist eine rote Bluse.   

In Wirklichkeit sehen wir aber nur die Idee von einer Realität. Kunst kann etwas erschaffen, was es gar nicht gibt. Täuscht, gibt einfach vor und „verleiht dem Unsichtbaren und Erahnten Gestalt“  Und was machen wir? In die Illusion und die Vorstellung einer Idee reinkippen. 

Ist es nicht jedes Mal wieder verblüffend, wie ein einfaches Bild an einer Wand es schafft, einen in „anderer Tage“ zu katapultieren? Einen an seine eigenen „other days“ denken lässt, einen Beziehungen knüpfen lassen möchte, mit Menschen in Bildern, die gar nicht existieren? Einen in Räume eintauchen lässt, die es nirgendwo gibt? Oder einen einen Stoff fühlen lässt, der nie gewebt wurde?

Mit der Malerei hat ein Künstler die Möglichkeit Welten zu schaffen. Die Welten und Menschen in den Bildern von Bertram Hasenauer fühlen sich vertraut an. Man meint, schon einmal dort gewesen zu sein oder Personen schon einmal gesehen zu haben. 

Aber wie das so ist, mit vergangenen Eindrücken, so kann man sich eventuell doch täuschen. Oder man kann sich einfach nicht mehr an alles erinnern. Nur einzelne Fragmente halten die Erinnerung am Leben.

Die Ausstellung: „Other Days“ ist als kleine Retrospektive des Oevres von Bertram Hasenauer aufzufassen und zeigt Arbeiten aus den Jahren 2006 bis heute. 

Besondern bei seinen aktuellen Arbeiten lassen sich beim ersten, schnellen Hinsehen vor allem Formen und ein paar wenige Farben erkennen. Momente die an Abstraktion denken lassen. 

Genauso wie sich das Auge erst an Dunkelheit gewöhnt und nach ein paar Sekunden Raum, Gegenstände oder Menschen freigibt, so geben auch die Bilder von Bertram Hasenauer erst nach längerem Hinsehen den Bildinhalt frei. Erst nach und nach erscheint das Porträt einer jungen Frau aus dem tiefen Schwarz. Und schon macht es mit einem was es will. Es schickt einen fort von sich und zieht einen im nächsten Moment wieder ganz nah an sich heran.

Bertram Hasenauer befindet sich im Genre der Malerei und Zeichnung innerhalb einer Welt, die auf viele „other days“ und auch „other artists“ zurückblicken lässt.  Es ist ein Genre der bildenden Kunst, welches sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert für tot erklärt hatte, wieder auferstanden ist und seither weiterhin beständig da ist. Malerei hat auch in der zeitgenössischen Kunst einen festen Platz. 

Genauso Bertram Hasenauer. 

Er hat als bildender Künstler, in Saalfelden geboren und aufgewachsen, als Österreicher in Berlin lebend, einen starken Platz in der zeitgenössischen Kunstwelt eingenommen. 

Man muss gar nicht immer so laut, aufbrausend und aggressiv seine Zeit zeigen. Geht auch anders. Aber nicht minder eindrücklich und bleibend. 

Bertram Hasenauer Other Days, Malerei und Zeichnung noch bis 28. September 2019 in der Galerie Schloss Wiespach in Hallein.  

Bertram Hasenauer 

Instagram: @bertramhasenauer

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