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Solidarisiert euch!

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Warum Solidarität innerhalb der Kulturszene wichtig ist und was dadurch entstehen kann. Ein Kick off! Gespräch mit Karl Zechenter

Bäm. Aussage! Ausrufezeichen! Wir Kulturszene sollen uns solidarisieren. Fordert wer, warum? Und überhaupt machen wir das nicht ohnehin? Bedarf es dazu einen Aufruf? 


Karl Zechenter ist ein mehr als geeigneter „Solidarisieren wir uns“! Gesprächspartner. Als Kunstschaffender, Kulturinitiativengründer, Kulturmöglichmacher, Kulturbegleiter auf vielfältigen Ebenen und Obmann des Dachverbandes der Salzburger Kulturstätten, spreche ich mit ihm, was wir vor und nach dem Ausrufezeichen tun können. Beginnen wir zunächst mit einer Begriffsdefinition. Nur, damit wir alle vom selben sprechen. Also bevor wir in den Diskurs gehen. Sich solidarisieren: Es geht also um die „Haltung der Verbundenheit mit – und Unterstützung von – Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer“.[1]

Ausrufezeichen

Solidarität ist ja so ein Ausrufzeichen. Aber wie wichtig, dass es für einen selber ist, haben wir als junge Kulturinitiative selbst erlebt; als die Hälfte der Förderungen gestrichen wurde. Der Dachverband der Salzburger Kulturstätten (DV) ist natürlich selbst so ein Generator für Solidarität, nicht nur für die Kulturstätten selbst, sondern mit der Aktion Hunger auf Kunst und Kultur, die Reinhold Tritscher nach Salzburg gebracht hat. Da ist das Ziel Menschen den Zugang zu Kultur zu erleichtern und Kulturinitiativen helfen zusammen. Wenn’s eng wird, hat der DV und die Kulturszene viel gemacht. In den 90igern beispielweise, als das Programmkino an die  Constantin Film verkauft werden hätte sollen oder 2013 als die Petition „Kulturland Salzburg“ über 10.000 Unterschriften bekam. 

Ohne solidarischen Rückhalt hätte sich gold extra womöglich nicht in gleicher Weise entwickeln können. Also läuft eh alles super mit der Solidarisierung, denn: 

Heute kannst du leichter solidarisch sein, als früher

Schon allein aufgrund der digitalen Möglichkeiten. Wir werden beinahe täglich dazu aufgerufen Petitionen zu unterzeichnen. Es kommt dann der Moment, an dem man hinterfragt ob dieses Tun auch nachhaltig ist, ob das „sich einbringen“ auch irgendetwas nützt? 

Es ist also ein leichtes sich zu solidarisieren. Manchmal ist Solidarität in ein paar Minuten erledigt. Nichts gibt es, zudem wir nicht Stellung beziehen können. Erschöpft uns das? Was bringt es uns solidarisch zu sein? 

Solidarität ist ein Ausgangspunkt, ein Verständnis, dafür, dass ich etwas beitragen kann und gebraucht werde: In welcher „Kultur“ möchten wir selbst leben? Dazu kann ich beitragen. 

Bevor Solidarität notwendig wird, gibt es ein Problem. Eine Herausforderung. Damit es weitergeht, bedarf es Unterstützung, eines größeren Backgrounds. Indem man sich nun öffnet, können verschiedene Prozesse entstehen, die ein „Weitermachen“ ermöglichen.  

Ganz aus der Sicht der Kulturschaffenden gesprochen befinden wir uns in einer Zwickmühle: Unsere Arbeiten schaffen einen kulturellen Rahmen des Dialogs, der Solidarität in der Gesellschaft. Zugleich sind die Lebensbedingungen der KünstlerInnen sehr oft prekär und der Kunstmarkt höchst kompetitiv und am Einmaligen ausgerichtet. 

Das sind alles andere als ideale Voraussetzungen für die Solidarität. Die Studie zur sozialen Lage der KünstlerInnen[2]weist ein Durchschnittsnettoeinkommen von 5000 Euro netto aus. 

Wie geht es von hier aus weiter?

Solidarität als Ausgangspunkt für Netzwerke. 

Solidarität ist ein Impuls; der darf nicht verpuffen. Dazu braucht es im Kulturbereich Netzwerke, um diese Energien aufzufangen. Das geht als Appell an die FördergeberInnen im Interesse der Kultur Interessensvertretungen von Kulturschaffenden zu fördern.Und das meint professionelle Strukturen in vielen künstlerischen Sparten nicht nur auf Bundesebene, sondern auch in den Regionen – vom Tanz bis zur Bildenden Kunst. Damit das „Netzwerken“, das in meinem Berufsbild als Kulturvermittlerin verankert ist, nicht nur grundsätzlich ehrenamtlich bleibt. 

Offene Prozesse und neuer Umgang mit Inhalten 

Ein wichtiger Schritt, der nun viel stärker genützt wird, ist Ressourcen zu teilen. Waren kooperative Initiativen noch vor einigen Jahren, aufgrund fehlender Strukturen im Förderwesen kaum umsetzbar, werden sie nun auch dort ermöglicht. Offene Prozesse sind ein Teil dieser Entwicklung: Das Publikum und KulturakteurInnen können bei „Share and Care“-Veranstaltungen an Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen teilhaben. Das erfordert auch einen Umgang mit Inhalten, der Creative Commons viel stärker in vielen künstlerischen Sparten oder Kulturaktivitäten denkt.

Neue GesprächspartnerInnen in der Kulturlandschaft

Wir müssen uns bemühen neue DialogpartnerInnen dort zu finden, wo soziale, kulturelle und gesellschaftliche Ausschlussmechanismen Schwellen zur kulturellen Teilhabe aufbauen. Für die Kulturszene Salzburgs können aber auch in der Mitte des Selbstverständnisses des Kulturlandes Salzburg, nämlich beim Tourismus, noch GesprächspartnerInnen gefunden werden – in der Entwicklung einer neue, gemeinsame und solidarische Haltung des Tourismus gegenüber der Kultur. 

An welcher Station des „Solidaritätsweges“ steht ihr selbst gerade? Dort, wo ihr noch überlegt welche Netzwerke geknüpft werden könnten, dort wo ihr wisst, das hinter euch eine Community steht, die vor denselben Herausforderungen steht, wie ihr selbst? Oder befindet ihr euch gerade dort, wo ihr Enttäuschung spürt, weil euch das Gefühl nicht loslässt, mehr für die Community getan zu haben, als ihr zurückbekommen habt? Aus jeder Situation lernt man. Um manchen den Weg zu verkürzen, kann eine solidarische Haltung zueinander, auf alle Fälle unnötige (Um)Wege ersparen. 

Nicht nur für sich selbst sondern auch für die anderen mitdenken.

Karl Zechenter ist als Künstler mit dem gold extra Kulturverein tätig und Obmann des Dachverbandes der Salzburger Kulturstätten. Er lebt und arbeitet in Salzburg.
Ausgehend von diesem Interview und diesem Text erschien folgender Artikel: https://kupf.at/zeitung/169/solidarisiert-euch/

[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Solidarität

[2]Studie zur Sozialen Lage der Kunstschaffenden und Kunst- und KulturvermittlerInnen in Österreich 2018

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