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Vier Wände der Kunst

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Es gibt für KünstlerInnen zwei wichtige Orte: Den Ausstellungsort wo ihre Kunst präsentiert wird und das Atelier oder Studio wo Konzepte umgesetzt werden, Kunst aufbewahrt wird und sich mit SammlerInnen, Galeristen, KollegInnen getroffen wird.Bei meinem Wienbesuch habe ich zwei Künstlerinnen, jeweils an einem dieser Orte besucht.

Beide Orte sind umgeben von Stereotypen und Legenden. Die Stereotypen zu einem „Künstleratelier“ sind vielfältig und gehören zur Künstlerinszenierung dazu. Seit einigen Jahren spricht man in diesem Zusammenhang auch von einem „Studio“. Das Studio hat noch einmal mehr Repräsentationscharakter als das Atelier. Die vier „Wände der Kunst“, innerhalb derer sich Künstler und Künstlerinnen austoben oder zurückziehen sehen überall anders aus und doch gibt es einige Merkmale, die sich wiederfinden lassen. Dazu zählen herumliegendes Material und Kunstwerke in Mappen oder Rollen, geordnet in Regalen liegend oder einfach im Raum herumstehend. Je nach Bedarf einfach zur Seite gestellt. Meistens ist eine gute und großzügige natürliche Lichtquelle vorhanden.

Hier auf Pinterest habe ich Bildmaterial zu verschiedenen Künstlerateliers bekannter KünstlerInnen zusammengetragen.

Aber eines kann ich versichern: Egal ob großer Raum, kleiner Raum, großes Durcheinander, klare Ordnung, diese Orte haben eine ganz besondere Aura und Stimmung.

Das Aussehen eines Atelierraumes und auch ob KünstlerInnen überhaupt einen haben und benötigen, hängt mit dem jeweiligen Medium zusammen. Bewusst habe ich das Beiwort Idee bei der anfänglichen Beschreibung ausgelassen, denn Ideen und Gedanken sind natürlich nicht zwingend an einen Ort gebunden, sondern entwickeln sich überall und nirgends.

Das Atelier von Marianne Lang befindet sich in einem Wohngebäude im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Es hat einen kleinen Vorraum und eine kleine Kochnische und einen großen Raum, der von einer großen Fensterfront verklammert ist. Vor dem Fenster thront ein riesengroßer Flakkturm und der Augarten lädt zum Flanieren ein. Marianne Lang teilt sich dieses Atelier mit ihrem Mann Johannes Kubin.

Einige Arbeiten hängen an der Wand, viele zusammengerollt im Regal. In Mariannes Atelier liegen tatsächlich viele Stifte und Malutensilien herum, da sie den Ort zum künstlerischen Arbeiten nutzt. Hier experimentiert sie mit Silberstiften und Bleistiften, kann Arbeiten am Boden auslegen oder auch Hängen um Ausstellungssituationen vorzudenken.

Das Atelier ist quasi ein halbprivater und halböffentlicher Raum. Dort Gast zu sein und einzutauchen in Gespräche über Kunst im Allgemeinen, über Herangehensweisen und Ausgangssituationen, über künstlerische Fragestellungen und neue Projekte die anstehen, ist eine wunderbare und wertvolle Möglichkeit hinter die Kulissen zu blicken.

Hier auf Pinterest habe ich Bildmaterial zu einigen Kunstgalerien zusammengetragen. 

Ein Ausstellungsort hingegen zählt zu einem öffentlichen Ort und kann kostenlos oder mit Eintritt besucht werden. Ähnlich wie in Museen und Ausstellungsinstitutionen werden auch Ausstellungen in Galerien kuratiert und es liegt der Präsentation ein Konzept zugrunde. Ähnlich wie Ateliers oder Studios sind auch Galerieräume sehr unterschiedlich und entsprechen dem jeweiligen Zeitgeist. Dem derzeitigen Zeitgeist entsprechend, sind angesagte Galerieräume sogenannte white cubes mit Industriecharme. Bei Galerien unterscheidet man zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Galerieräumen. Die sogenannten „Off Spaces“ also nichtkommerzielle Ausstellungsräume haben oftmals einen gewissen Hinterhofcharme.

Michaela Mück hat mir ihre derzeit laufende Ausstellung im Grafikkabinett der altehrwürdigen Galerie Wolfrum gezeigt. Ein Ausstellungsbesuch, bei dem man von der Künstlerin selber begleitet wird, zählt sicherlich zu einem der besonderen Momente meines Berufes.

Bei unserem Aufenthalt in der Galerie hat sie mir über ihr Ausstellungskonzept erzählt und dabei auch organisatorische Themen beleuchtet, wie über die ortsbezogenen Möglichkeiten und vorgegebenen Rahmenbedingungen der Hängung. Bei den Galerieräumen der Galerie Wolfrum handelt es sich um keine „white cubes“ sondern um ein historisches Zusammenspiel von Kunsthandel, Kunstverlag, Buchhandel und Galerie. Dieser Ort zählt nicht nur zu den geschichtsträchtigen Wiener Galerien sondern kann auch selbst über unzählige Geschichten und Anekdoten über KünstlerInnen und das Wiener Kunstleben erzählen.

„Neuntausendvierhundertsechsundzwanzig“ so der Titel der Ausstellung, zeigt unter anderem eine Serie mit dem Titel „Idyllen“. Der Ausstellungsort, die Galerie Wolfrum, mit den historischen Plänen und Stichen, ist an sich schon ein Idyll aus einer anderen Zeit. Dazwischen wollen sich Michaela Mücks, auf Holzgrund gemalte Bilder, einfügen. Michaela Mücks Bilder erzählen von Zeiten und Räumen, die eventuell nie dagewesen sind, von Idyllen, die nie geherrscht haben und trotzdem etwas hinterlassen.

Bei mir hinterlassen beide Besuche einen bleibenden Eindruck und ich freue mich schon wieder auf meine nächsten Einblicke in so manche Ateliers und Ausstellungen.

Hier geht´s zur Website von Marianne Lang

Hier geht´s zur Website von Michaela Mück

Hier geht´s zur Website der Galerie Wolfrum

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