Ich nutze das, was bereits vorhanden ist. Entweder weil ich es ohnehin besitze oder weil es jemanden gibt, der “seines” nicht mehr braucht. Ich überlege mir was ich eventuell ändern möchte, damit ich es wieder oder weiter verwenden mag und sollte ich tatsächlich etwas neues benötigen, wähle ich Raum oder Plattform wie beispielsweise Flohmarkt, Willhaben oder Vinted um im Sinne des Kreislaufgedankens einem Produkt ein “second life” zu geben.
Transformationsebene
Ökologisch & ökonomisch
Reuse wirkt auf mehreren Ebenen:
• ökologisch → weniger Ressourcenverbrauch, weniger Abfall
• ökonomisch → längere Nutzung, mehr Wert pro Produkt
SDG-Bezug
Diese Challenge steht in direktem Zusammenhang mit:
• SDG 12 Responsible Consumption and Production
• SDG 13 Climate Action
Gleichzeitig berührt sie auch SDG 9 (Industry, Innovation and Infrastructure), da Reuse nur dort möglich wird, wo Produkte, Systeme und Angebote entsprechend gestaltet sind. Denn je länger Produkte genutzt werden, desto geringer ist ihre Umweltwirkung.
Ein paar Zahlen dazu
- Rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel wird weggeworfen²
- Jährlich fallen etwa 92 Millionen Tonnen Textilabfälle an³
- Im Bereich Möbel entstehen in Europa jedes Jahr über 10 Millionen Tonnen Abfall⁴
Diese Zahlen zeigen: Nicht nur was wir konsumieren, ist entscheidend, sondern wie lange wir Dinge nutzen.
“Viele was wir wegwerfen ist nicht am Ende ihres Lebenszyklus, sondern oft nur am Ende der eigenen Nutzung”
Was bedeutet Reuse im Alltag?
Bekleidung
Secondhand statt neu, länger tragen, reparieren, weitergeben
Lebensmittel
Reste verwerten, neu kombinieren, bewusst einkaufen
Alltag & Gegenstände
Dinge weiterverwenden, leihen oder teilen, nicht sofort ersetzen
Geräte & Technik
Länger nutzen, nicht sofort upgraden
Kreislaufwirtschaft – der größere Zusammenhang
Reuse ist ein zentraler Bestandteil der Kreislaufwirtschaft. Das Ziel ist es Produkte und Materialien so lange wie möglich im Umlauf halten. Es wird also nicht linear gedacht im Sinne von kaufen, nutzen, entsorgen sondern zirkulär. Dabei ist Reuse einer der wirksamsten Hebel. Wir können dort ansetzen, wo Ressourcen bereits eingesetzt wurden.
Der Wert der Dinge
Ein Gedanke, der mich in dieser Woche begleitet ist “Was ist mir etwas wert? Nicht alles, was ich besitze, nutze ich und nicht alles, was ich nutze, hat für mich den gleichen Wert. Ich persönlich schätze vor allem Dinge, die mit einer Geschichte verbunden sind. Gegenstände, die ich bewusst ausgewählt habe, geschenkt bekommen habe oder die mich schon länger begleiten.
Viele meiner Gegenstände haben bereits eine eigene Vergangenheit. In meiner Wohnung zeigt sich das sehr konkret. Ich lebe mit Möbeln, die primär aus den 50er-, 60er- oder 70er-Jahren stammen. Vintage-Stücke, die also schon länger existieren. Wirklich gutes Design bleibt zeitlos oder schafft es sich in die neue Zeit einzuweben. Oft ist es auch so gestaltet, dass es über Jahrzehnte funktioniert, hält oder sich reparieren lässt.
Möbel zwischen Wegwerfen und Weiterleben: Gerade im Bereich Möbel wird das Spannungsfeld besonders sichtbar. Obwohl der Großteil der Möbel verbrannt oder deponiert wird gibt es trotzdem Gegenbewegungen. Möbel werden weitergegeben, restauriert, neu kombiniert und Secondhand-Märkte wachsen.
Je länger mich etwas begleitet, desto mehr verändert sich mein Blick darauf. Für mich wird ein Gegenstand nicht weniger wert mit der Nutzung oder auch Abnutzung sondern mehr.
Reuse bekommt dadurch eine andere Bedeutung. Es geht nicht nur darum, Ressourcen zu schonen sondern auch darum, Dingen Raum zu geben, sich zu entfalten. Es braucht vielleicht nicht immer alles neu gedacht zu werden, sondern weitergedacht oder eben weiterverwendet.
Nice Try 😉 Ein offenes Experiment zum Mitmachen oder Mitlesen
Jede Woche setze ich eine kleine Challenge rund um nachhaltige Transformation im Alltag.
Ich probiere Dinge aus, beobachte, was funktioniert und was nicht. Die einzelnen Versuche teile ich auf meinen sozialen Netzwerken. Hier im Blog begleite ich sie mit mehr Raum für Einordnung, Reflexion und Erfahrung. Das Format habe ich im Rahmen meiner Ausbildung im Bereich Green Transition & ESG Management am MCI Innsbruck entwickelt. Ursprünglich gedacht für den Einsatz in Kultur- und Tourismuskontexten, lässt es sich genauso auf den eigenen Alltag übertragen.
Du kannst jederzeit einsteigen.
Fußnoten
¹ Umweltwirkungen entstehen zu einem großen Teil in der Produktionsphase von Gütern (z. B. Rohstoffe, Energie, Transport).
² Studien zeigen, dass Kleidung heute deutlich kürzer genutzt wird als noch vor einigen Jahrzehnten.
³ Schätzungen gehen von rund 92 Millionen Tonnen Textilabfällen weltweit pro Jahr aus (u. a. UNEP, Ellen MacArthur Foundation).
⁴ Der Großteil der Möbelabfälle in Europa wird verbrannt oder deponiert, während Wiederverwendung bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt.